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Gehen als Meditation

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Meditation im Gehen ist eine wundervolle Möglichkeit, Achtsamkeit mit dem alltäglichen Leben zu verbinden. Denn immer wieder in unserem Tagesablauf gehen wir, um von A nach B zu gelangen. Dabei könne wir wählen: überlassen wir uns völlig der Automatik des Körpers, oder gelingt es, ein wenig Bewusstheit in diesen Vorgang zu bringen. Vielleicht können wir den Kontakt der Füße mit dem Boden spüren, oder wir zweigen ein wenig Aufmerksamkeit für das Spüren des Atems ab. Wie ist der Atem gerade? Wie viele Schritte mache ich während einer Ausatmung? Wie viele Schritte während einer Einatmung? Was nehme ich sonst nach wahr? Wie ist das Wetter? Wie ist das Gefühl der Luft im Gesicht? Gibt es Geräusche? Wie ist mein Tempo? Meine Stimmung? Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf?

Es gibt viele Möglichkeiten, worauf man während des Gehens achten kann.

Vielleicht lohnt es sich zwischendurch anzuhalten, den Körper im Stehen wahrzunehmen, um dann seinen Weg fortzusetzen.

In buddhistischen Traditionen wird das achtsame Gehen, ähnlich wie die Sitzmeditation, systematisch geübt, und gilt als gleichwertige Praxis. Auch in der christlichen Tradition hat das Gehen als Übung seinen fixen Platz und wird dann als Pilgern bezeichnet. Gerade in den letzten Jahren wurde diese Form wieder von vielen neu entdeckt. Vielleicht haben Sie dazu den Film „Ich bin dann mal weg“ über den Jakobsweg gesehen, oder das Buch gelesen?

Ich denke, es ist ein wichtiger Aspekt, dass unser Leben sich nicht nur „im Kopf“ abspielt, sondern den ganzen Menschen betrifft, also auch eine sinnlich-leibhafte Erfahrung miteinschließt.

Mir fällt dazu das Buch „Die Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers“ ein, das aus der Tradition der orthodoxen Kirche stammt und eine innere Praxis beschreibt, wobei der Erzähler von seinem geistlichen Lehrer die strenge Anweisung erhält nicht länger als drei Tage an einem Ort zu verweilen, sondern ständig auf Wanderschaft zu bleiben.

Ich möchte diese verschiedenen Traditionen keinesfalls in einen Topf werfen, finde es aber doch bemerkenswert, dass das Gehen in unterschiedlichen Zusammenhängen als wesentliche Übung aufblitzt.

Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, wie Sie diese einfache tägliche Aktivität für sich zu einer Übung in Sachen Achtsamkeit umwandeln können?