„Wenn wir nicht im gegenwärtigen Augenblick sind, verpassen wir alles.“

Thich Nhat Hanh

Wozu Achtsamkeit?

Achtsamkeit meint die Fähigkeit, die eigene Aufmerksamkeit bewusst und mit einer wohlwollenden und interessierten Haltung auf die Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks zu lenken. Es geht darum präsent zu sein. Das hat den Vorteil, dass wir merken, was gerade in unserem Leben geschieht. Auf diese Weise können wir schneller eingreifen, und es zeigt sich, dass eine solche Haltung für unser körperliches und seelisches Wohlbefinden sehr förderlich ist.

Obwohl wir alle die Fähigkeit haben präsent zu sein, fallen wir leicht aus diesem Zustand heraus und begeben uns in einen Modus in dem wir – wie es heißt – „in Gedanken verloren“ sind. Aber wo sind wir, wenn wir nicht „hier“ sind? Meistens in der Vergangenheit oder in der Zukunft, oder? Um keine Missverständnisse zu erzeugen: An Vergangenheit und Zukunft ist nichts verkehrt. Es sind sehr nützliche Konzepte, um unser Leben zu gestalten. Aber wir sollten nicht vergessen, dass unser Leben immer nur „jetzt“ stattfindet. In diesem Moment, und in diesem Moment… und in diesem Moment. Wie die Zukunft wird bestimmen wir einzig und allein „jetzt“. Und die Vergangenheit? Auch sie hat ihren Platz, aber wir sollten im Auge behalten, dass sie schon „vorbei“ ist.

Achtsamkeit ist also der Versuch, immer wieder aufzuwachen, statt per „Autopilot“ durch unser Leben zu navigieren.

Zentrale Achtsamkeits-Übungen im Rahmen des Acht-Wochen-Kurses

  • Reise durch den Körper (Body-Scan)
  • Einfache Körperübungen, die mit Achtsamkeit ausgeführt werden
  • Achtsamkeit auf den Atem
  • Meditation im Sitzen
  • Meditation im Gehen
  • Liebende Güte-Meditation
  • Achtsamkeit im Alltag

Die Praxis von Achtsamkeit erlaubt uns, klar und bewusst zu wählen, auf welche Weise wir uns auf uns selbst und die Umstände unseres Lebens beziehen möchten. Dadurch kann sich unser Spielraum authentisch zu handeln und gut für uns zu sorgen enorm vergrößern.

FAQs *)

Welchen Einfluss kann Achtsamkeit auf mein tägliches Leben haben?

Achtsamkeit kann helfen, Dinge mit Bewusstsein zu erfüllen, die wir in unserer bisherigen Routine für selbstverständlich nehmen. Die Bewusstheit, die wir zu entdecken beginnen, kann uns helfen, all die kleinen Besonderheiten in unserem Leben zu würdigen. Achtsamkeit kann auch ein Gefühl des Verbundenseins verstärken.

Welchen Einfluss hat die Praxis von Achtsamkeit auf mein Gehirn und meine kognitiven Abläufe?

Das Thema Achtsamkeit ist ein höchst aktives Forschungsgebiet und es gibt viele Studien die sich mit den strukturellen und funktionalen Veränderungen im Gehirn auf Grund des Absolvierens eines MBSR-Programmes befassen. Nähere Informationen aus erster Hand finden sich dazu z.B. auf der Homepage des Center for Mindfulness (USA).

Ist Achtsamkeit nur eine Art mich von bestimmten Themen in meinem Leben abzulenken?

Achtsamkeit ist keine Methode, um sich von Lebensthemen abzulenken. Tatsächlich geht der Prozess eher dahin, sich den Herausforderungen des Lebens zuzuwenden, und zu beobachten und zu erforschen was in unserem Leben wirklich los ist. Die bewusste Hinwendung der Aufmerksamkeit zu den Herausforderungen kann dazu führen, dass wir neue Lösungsmöglichkeiten entdecken, und mit mehr Geschick und Freundlichkeit agieren können.

Verträgt sich Achtsamkeit mit religiösem Glauben?

MBSR ist ein säkulares Programm und wurde so entwickelt, dass es für alle Menschen, ungeachtet ihrer religiösen Traditionen oder ihres Glaubens zugänglich ist. Es geht bei der Achtsamkeit wirklich nur darum dem eigenen Leben gegenüber, so wie es ist, wach zu sein und damit zu arbeiten, den eigenen Prozess und uns selber mit mehr Klarheit zu sehen. Das kann sich als eine gute Ergänzung zu religiösen Traditionen herausstellen.

Ist Achtsamkeit ein buddhistisches Konzept?

Achtsamkeit ist eine „Lebenshaltung“, die wir in vielen Traditionen und Kulturen antreffen können. Der Buddhismus hat daraus jedoch ein zentrales Thema und eine zentrale Praxis gemacht. Aus der Sicht ihrer Begründer ist MBSR ein säkulares d.h. weltanschaulich-neutrales Programm, das allen Menschen – ganz unabhängig von ihrer Religion oder ihrem Glauben – offensteht.

Ich führe ein sehr geschäftiges Leben. Habe ich da Zeit für Achtsamkeit?

Von Jon Kabat-Zinn ist bekannt, dass er gegenüber Kursteilnehmern manchmal erwähnt, dass es stressig sein kann, an einem Stressreduktionsprogramm teilzunehmen. Viele führen ein sehr ausgefülltes Leben und es ist natürlich herausfordernd in ein solches Leben noch zusätzlich einen wöchentlichen Kurs und eine tägliche Übungspraxis von rund 45 Minuten hineinzupacken.

Dabei ist aber im Auge zu behalten, dass trotz der zeitlichen Herausforderung das Einbeziehen von Achtsamkeit in unser Leben tendenziell hilft Prioritäten zu setzen und effizienter zu werden. Zusätzlich kann es neue Energien geben, wenn wir uns Zeit nehmen uns zu erholen, und wieder ins Lot zu kommen. Das kann uns helfen, die Herausforderungen unseres Lebens erfolgreich zu meistern.

Wie viel Achtsamkeit wird in der MBSR-Gruppe von Woche zu Woche praktiziert?

Die Praxis von Achtsamkeit ist eine Hauptkomponente jedes Gruppen-Treffens, wie auch in den Phasen zwischen den Treffen. Während der Woche verwenden die Teilnehmenden Achtsamkeits-CDs oder MP3s um ihre tägliche Praxis zu unterstützen. Diese CDs bzw. MP3s enthalten Achtsamkeitsübungen und Sequenzen mit achtsamen Körperübungen, die etwa 40 Minuten dauern.

Wie viel Achtsamkeitspraxis ist nach dem Kurs erforderlich?

Achtsamkeit ist keine Technik, sondern eine Lebensweise. Die Teilnehmenden werden ermutigt ihre eigene Praxis zu finden, die sie optimal unterstützt. Am Ende des achtwöchigen Kurses wird jede/r selber beurteilen können, was sie oder er in Sachen Achtsamkeitspraxis braucht.

Wie kann Achtsamkeitsmeditation in meinem Leben von Nutzen sein?

Der direkte Vorteil besteht darin, dass Sie Ihr eigenes Leben von Moment zu Moment mit Bewusstheit erleben, anstatt per “Autopilot” unterwegs zu sein, oder nur in der Vergangenheit oder Zukunft zu schwelgen. Oft berichten Teilnehmende von größerer Freude an einfachen Schönheiten des Lebens, wie einem gemeinsamen Moment mit ihrem Kind oder Partner oder mehr Bewusstheit für den Wechsel der Jahreszeiten, wenn Blumen blühen oder Schnee fällt. Sobald wir uns mit unserem Leben näher anfreunden, beginnen wir zu bemerken, dass mit uns mehr “stimmt” als “verkehrt” ist. Darüber hinaus haben wissenschaftliche Studien positive Nebeneffekte von Achtsamkeitsmeditation aufgezeigt: Verbesserung bei seelischen Symptomen, wie Ängstlichkeit und Depression, sowie größere Stabilität in Bezug auf körperliche Parameter wie Blutzucker und Blutdruck.

Wie unterscheidet sich Achtsamkeit von anderen Formen kontemplativer Praxis?

Achtsamkeit ist eine Praxis des Bewusstwerdens des gegenwärtigen Momentes. Sie verstärkt die Fähigkeit klar und ohne Bewertungen zu sehen, wie die Dinge stehen. Achtsamkeit fördert sowohl die Fokussierung als auch die Ausweitung unserer Aufmerksamkeit, da wir uns unserer selbst und der Welt um uns herum bewusst werden. Das “Ziel” ist es mehr und vollständiger präsent zu sein.

Es gibt viele kontemplative Praktiken, und man kann alles empfehlen, was dem Wohlergehen der Menschen dient. Manche Praktiken haben einen speziellen Fokus, wie etwa das Aufbauen von Konzentration, „einspitzigem“ Bewusstsein oder einer Beziehung zu einer höheren Macht. Falls der Ansatz von Achtsamkeit nicht Ihr Interesse trifft, haben Sie vielleicht das Bedürfnis andere Formen kontemplativer Praxis zu erforschen.

Ist es möglich die Gedanken abzustellen oder durch MBSR einen leeren Geist zu erreichen?

Vielleicht… aber es wird nicht als Teil von MBSR unterrichtet. Achtsamkeit meint, gegenwärtig zu sein mit dem was hier ist. Die Teilnehmer werden ermutigt Gedanken, Empfindungen und Gefühle zu bemerken, anstatt sie zu blockieren oder zu verleugnen. Durch dieses “Bemerken” kann es sein, dass unser Geist ruhiger oder konzentrierter wird.

Muss ich mich um eine eigene Achtsamkeitspraxis bemühen, um von diesem Programm zu profitieren?

Ja… Achtsamkeit ist eine höchst experimentelle Angelegenheit und daher ist das Etablieren einer formalen, eigenen Praxis wahrscheinlich die wichtigste Zutat des Kurses. Ich lade Sie ein, die acht Wochen des Kurses als „Testgelände“ für Ihre eigene Achtsamkeitspraxis zu nützen. So können Sie sehen, welche Früchte sich aus der Teilnahme am Kurs ergeben können. Nach dem Kurs geht es für die Teilnehmenden darum, mit ihrer Praxis so fortzufahren, wie es zu ihrem Leben passt und wie es sie optimal unterstützt.

Gibt es geführte Meditationen die ich nützen kann um meine Achtsamkeitspraxis zu unterstützen?

Ja… Das MBSR-Programm schließt eine Vielzahl an unterschiedlichen geführten Meditationen ein, von einem Body-Scan im Liegen, über geführte Meditationen im Sitzen, in denen man unterschiedliche Objekte der Aufmerksamkeit erforscht, bis zu Meditationen liebender Güte, achtsame Körperübungen, Gehmeditation und weitere Möglichkeiten der Achtsamkeitspraxis.

*) Vgl.: FAQs des Center for Mindfulness (USA)
Übernahme der FAQs mit freundlicher Unterstützung des CFM.
Auswahl und Übersetzung stammen von mir (R.A.)